Erfindung der Schallplatte

Schallplatte Erfindung

Die Welt ist eine Scheibe

Mit der Schallplatte hat sich ihr Erfinder, der ihr auch diesen Namen gab, unsterblich gemacht: Emil Berliner aus Hannover. Er hatte sich 1870 der Einberufung durch das preußische Militär mit seiner Auswanderung in die USA entzogen, wo er durch zahlreiche Erfindungen wohlhabend wurde. Vor allem sein Kohlemikrofon für Telefone schuf ihm die Basis für ein eigenes Labor. Berliner arbeitete einige Jahre für Alexander Graham Bell. In dessen Volta Laboratory kam er mit Experimenten in Berührung, die eine Konkurrenz zu Edison schaffen sollten. Das Ergebnis war das „Volta Graphophone“, das den Phonographen trotz besserer Qualität nicht verdrängen konnte.

Berliner fand die entscheidenden Schwächen der Walzengeräte bald heraus, entwickelte einen neuen Tonträger und das zugehörige Abspielgerät, das Grammophon. Er nannte es zuerst „gramophone“, eine Bezeichnung, die in den USA nur mittelbar im „Grammy Award“ überlebt hat. Seine Schallplatte – „gramophone record“, die er 1887 patentieren lassen konnte, hatte mehrere Vorteile gegenüber der Walze. Die Tonrille ist horizontal beschrieben und lässt eine größere Dynamik und mehr Feinheiten bei den hohen Tönen zu. Sie ist einfacher in der Handhabung und sie ist prinzipiell unbegrenzt reproduzierbar, da von der Urplatte eine Pressmatrix abgegossen wird, die nach Abnutzung beliebig erneuert werden kann.

Der Siegeszug der schwarzen Scheibe

Anfangs hatte es Berliner schwer, mit seiner Erfindung Fuß zu fassen. Die Tonqualität war noch unbefriedigend und ein gutes Material für die Schallplatte noch nicht zur Hand. Nach der Lösung technischer Detailprobleme und begleitet von juristischen Streitereien begann der eigentliche Durchbruch der Schallplatte.

1896 gab Berliner Hartgummi als Plattenmaterial auf und ersetzte ihn durch eine Art Kunststoff auf Schellackbasis. Die noch einseitige Schellackplatte war erfunden. Durch laufende Verfeinerungen der Technik verbesserte sich ihre Qualität und konnte um die Jahrhundertwende die Edison-Walze überholen. 1898 gründete Emil Berliner mit seinem Bruder Josef die „Deutsche Grammophon Gesellschaft“. Sie begann mit der Massenproduktion von Schallplatten und sollte zu einer der berühmtesten Marken für klassische Musik werden.

Die Schellackplatte wird zweiseitig

Ab 1904 verbreitete sich die doppelseitige Schallplatte und leitete den Untergang der Walze ein. Die „Deutsche Grammophon“ produzierte ab 1908 doppelseitige Platten. Selbst Edison stellte ab 1912 Schallplatten her, allerdings in seiner Tiefenschrift. Die beiden Systeme waren nicht kompatibel. Am Grammophon musste man, bei den Spieler, an denen es überhaupt möglich war, die Tondose auswechseln. Die Produktion seiner Walzen hat dann selbst Edison 1929 aufgegeben.

Schellackplatten wurden weltweit über 70 Jahre gepresst. Sie waren recht widerstandsfähig beim Abspielen, aber leicht zerbrechlich. Erinnern Sie sich an den Sketch „Im Schalllattenladen“ von Karl Valentin? Erst nach 1948 kam die „Unzerbrechliche“ aus dem echten Kunststoff Polyvinylchlorid (PVC) auf den Markt, heute kurz und schon liebevoll „Vinyl“ genannt.

Die Schallplatte und die Musikindustrie

Früh erkannten einige großartige Musiker die Bedeutung des neuen Mediums. Ein regelrechter Pionier war der beste Tenor aller Zeiten, Enrico Caruso, und er war ein guter Geschäftsmann. Kurz nach 1900 begannen die Aufnahmen der 498 Schallplatten, die er eingesungen hat. 1904 gelang ihm mit der Aufnahme von Leoncavallo’s „Vesti la giubba“ aus „I Pagliacci“ der erste Millionenseller der Plattenindustrie. Boshafte Zungen in Amerika fragten, „hat Caruso die Schallplatte gemacht, oder die Schallplatte Caruso?“ Nebenbei bemerkt war der „Der Bajazzo“ von 1892 für Caruso noch zeitgenössische Musik.

Die „Goldenen Zwanziger“ („The roaring twenties“) sind untrennbar mit der Geschichte der Schallplatte verbunden, wie auch die „Silberne Ära“ der Operette. Da wäre der Edison-Zylinder ohnehin nicht mehr praktikabel gewesen. Was wüssten Sie heute noch über den Schwung des frühen Jazz und den Swing-Adel? 1923 spielte King Oliver mit Louis Armstrong in seiner legendären Creole Jazz Band 13 Titel ein. Wie könnten Sie noch heute die Stimmen der Tenöre Joseph Schmidt und Richard Tauber bewundern oder den Charme der Comedian Harmonists genießen, ohne die erhaltenen Schellacks?