Mechanik der Tonerzeugung

Plattenspieler MechanikVon der Rille zur Schwingung

Egal worauf man den Schall festgehalten hatte, bleiben die Rillen von Walzen und Platten starre Datenträger. Erst die Bewegung der Rille durch die Rotation des Tonträgers erzeugt wieder eine Schwingung, macht den eingefangenen Schall wieder hörbar. Der Antrieb der Tonwalzen erfolgte anfangs durch eine simple Handkurbel. Eine sehr ungleichmäßige Wiedergabe war das Ergebnis. Die Einführung von Federmotoren, bei Berliner ab 1892, zuletzt mit Fliehkraftregelung, brachte eine deutliche Verbesserung. Die nur wenige Jahre später einsetzende Entwicklung von elektromotorischen Antrieben gipfelte schließlich in Elektromotoren, deren Drehzahl durch die Wechselstromfrequenz synchronisiert wurde.

Die Schwingung wird hörbar

Bei einem modernen Plattenspieler hört man bereits ohne Verstärkung die Nadel sehr, sehr leise schwingen. Wenn man die Ecke einer frischen Postkarte in die Rille einer rotierenden Schellack steckte, verwandelte sie sich gewissermaßen in eine Art Nadel, die ihre Schwingungen auf den Karton übertrug und die Schallinformation der Platte mehr ahnen als hören ließ. Die Postkarte war dabei der primitive mechanische Schallverstärker. Dieser Modellversuch zeigte aber recht deutlich das Prinzip der Schalldose.

Die Führung des Tonabnehmers

Bei Walzengeräten wurde der Vortrieb der Tondose mechanisch an den Walzenantrieb gekoppelt, da die Rillenführung festgelegt war. Der Abtaster blieb durch Federdruck in der Rille und versetzte eine Membran direkt in Vertikalschwingungen, analog zur Tiefenschrift.
Beim Grammophon wurde die Spitze einer genormten Stahlnadel mittels der Rotation der Platte durch die Rille gezogen und in Schwingungen versetzt. Das andere Ende der Nadel übertrug diese auf eine dünne, parallel zur Rille ausgerichtete Membran, die nun ihrerseits schwang und die Luft ebenfalls analog bewegte, also Schall erzeugte. Die Schalldose war in zwei Richtungen frei beweglich aufgehängt. Die Nadel blieb allein durch das eigene Gewicht in der Rille und wurde durch sie horizontal geführt, bis sie in der signalfreien Endrille hängen blieb. Die Erfindung der Frühform des Tonarmes vor 1910 geht wahrscheinlich auf den Schweden Lindström zurück, der in Berlin eine sehr erfolgreiche Firma gegründet hatte (u.a. mit der Marke Odeon), deren Spuren bis zur heutigen EMI reichen.