Standardisierung und Technisierung

Plattenspieler Standardisierung und TechnisierungDie internationale Vereinheitlichung

Schon 1904 erschien unter dem Label Odeon die erste zweiseitig bespielte Schallplatte. Bei dieser Berliner Gesellschaft wurden auch die ersten Schallplatten mit 25 und 30 Zentimeter Durchmesser gepresst, so dass man die Spieldauer auf bis fünfeinhalb Minuten erhöhen konnte. Weltweit setzte sich die Abspielgeschwindigkeit von 78 rpm (Umdrehungen pro Minute) durch. Die Plattengrößen von 7, 10 und 12 Zoll (18, 25 und 30 Zentimeter) Durchmesser wurden Standard, wobei der 10 Zoll-Standard sich allgemein bei den Schellacks verbreitete. Die Rillenausformung wurde zugunsten einer universellen Plattennadel vereinheitlicht. Die Qualität der Aufnahmen wurde nach der Einführung des elektromagnetischen Schneidstichels laufend verbessert.

Das hilfreiche Magnetband

Es bedeutete in den Zwanzigern schon eine enorme Qualitätsverbesserung, zwischen Schneidstichel und dem Schall ein Mikrofon dazwischen zu schalten und die rein mechanische Übertragung zu ersetzen. Die Entwicklung der Röhren- und Rundfunktechnik und damit der elektrischen, regelbaren Verstärkung stand dabei Pate. Ohne Mikrofon hätte es auch keinen Tonfilm gegeben. Ein entscheidender Fortschritt in der Aufnahmetechnik wurde erst wieder mit der Zwischenaufnahme auf dem von der AEG in den 30ern entwickelten Tonbandgerät erreicht. Die Unwägbarkeiten der Direktaufnahme konnten Schritt für Schritt ebenso ausgeglichen werden wie die Tonqualität. Bing Crosby hat die neue Studiotechnik 1947 an einer Weiterentwicklung von erbeuteten deutschen Rundfunkgeräten erkannt und ihr zum Durchbruch in Tonstudios und Radio Stationen verholfen.

Das PVC und der Quantensprung in der Plattentechnik

RCA Victor brachte zur Unzeit, 1931 während der Weltwirtschaftskrise, im Ursprungsland der „Great Depression“ erstmals Schallplatten aus Kunststoff auf den Markt. Die Einführung des Kunststoffes brachte nicht nur die Bruchfestigkeit der Platten mit sich, sondern auch eine neue Schneidetechnik, die ab 1939 bei Columbia entwickelt wurde. Das Material erlaubte die Verkleinerung von Rille, Plattenspielernadel und Rillenabstand sowie neue Standards bei der Umdrehungszahl. Die Geschwindigkeit konnte wegen der glatteren Oberfläche der Rillenflanken und der damit verbundenen Verringerung des Grundgeräusches der Platte bei gleicher Dynamik herabgesetzt werden.

Neue Plattenformate

Die Spieldauer einer herkömmlichen Schellack fand nun bei 45 rpm auf einer 18er Platte, der sogenannten Single, Platz. Die 25er und 30er Standards wurden auf die neuen Langspielplatten (LPs) übertragen, bei denen die Umdrehungsgeschwindigkeit auf 33 1/3 rpm reduziert werden konnte. Die LP wurde erstmals Mitte 1948 durch Columbia der Öffentlichkeit vorgestellt. Die erste Single erschien bei RCA Victor im Februar 1949 als anfängliches Konkurrenzprodukt. Mit dem Füllschriftverfahren des deutschen Erfinders, Publizisten („Hörzu“) und Schriftstellers Eduard Rhein konnte bereits ab 1950 die Spieldauer einer LP-Seite bis auf eine halbe Stunde erhöht werden.

Die Definition hoher Klangtreue

Die Verbesserungen bei Schneidetechnik und Pressungen fand ihren Ausdruck im Begriff High Fidelity (HiFi). Nach DIN 45500 musste die Schallaufzeichnung mit kleinen Abweichungen 40 bis 16.000 Hertz umfassen, was in den 50er Jahren aber nicht immer der Fall war. Die im Wesentlichen wegen eines totalen Durcheinanders internationaler Messmethoden längst überholte Norm, die zum Marketing verkam, hatte aber bei der Schallplatte noch länger eine gewisse Berechtigung. Selbst hochwertige Tonabnehmer stießen hier an ihre Leistungsgrenzen. Aber Moment, wir sind bei diesen Betrachtungen ja immer noch im Monobereich.