Vom eindimensionalen zum räumlichen Klang

Plattenspieler räumlicher Klang

Die Stereofonie

Können Sie sich noch an Ihre erste Stereoplatte erinnern? Oder gehören Sie bereits einer Generation an, für die Raumklang gleichbedeutend ist mit Mehrkanalanlage, Heimkino-Center und Surround Sound beim Computer-Spiel? Es ist nun allerdings schon über fünfzig Jahre her, dass in Tonstudios mit Zweikanal-Aufzeichnungen experimentiert wurde, dem Richtungshören unserer Ohren entsprechende Aufnahmen zu produzieren. Decca, EMI und RCA gehörten zu den Pionieren. Mit dem Studiotonband war das relativ einfach. Das bedeutete „lediglich“, mit zwei gleichwertigen Mikrofonen zwei getrennte Spuren für Links und Rechts aufzunehmen. Diese elektrische Signaltrennung musste jedoch in eine mechanische Lösung übersetzt werden.

Die Stereoplatte

Im Prinzip war schon vor 1930 die Kanaltrennung für Schallplatten erfunden worden, indem man den Vertikalschnitt für ein zweites Signal wieder „entdeckte“ und zwei Signalspuren um 90 Grad versetzt gravierte. Praktikabler war das bereits 1931 vom britischen Elektroingenieur Blumlein entwickelte Schneideverfahren, bei dem die Rillenflanken um 45 Grad gedreht sind. Die dadurch mögliche Stereoplatten-Technik wurde aber erst ab 1957 kommerziell genutzt. Die damals weit überwiegende Zahl an Einspur- (Mono-) Tonabnehmern konnten auch eine nach dem heute üblichen Blumlein-Verfahren geschnittene Rille monaural abtasten, da das Summensignal aus den beiden Flanken ein gültiges monofones Signal ergab. Marktunsicherheiten führten jedoch in der Anfangszeit zur parallelen Produktion von Mono- und Stereoplatten. Die Singles blieben lange nur in Mono erhältlich.

Ohrenwischerei und Eintagsfliegen

In der Anfangszeit der Stereofonie wurden viele ältere Monoaufnahmen aus verkaufstechnischen Gründen in Pseudo-Stereo gepresst. Frühe Pop-Schallplatten waren häufig durch Ping-Pong-Effekte überzeichnet, oder die Räumlichkeit des Klanges blieb nur mäßig ausgeprägt. Bestimmte firmenspezifische Bezeichnungen hatten mehr Werbecharakter als eine reale innovative Bedeutung. Einzig die Quadrofonie war eine echte Erfindung. Sie konnte sich aber wegen uneinheitlicher Standards nicht durchsetzen und war in den Siebzigern auch seitens der Verstärker- und Lautsprechertechnik zu teuer. Es wurde auch für den Konsumenten oft nicht klar genug, ob es sich um Pseudo-, Matrixquadrofonie oder um diskrete Quadrofonie handelte, für die ein spezieller Tonabnehmer mit passender Verstärkertechnik notwendig war.

Totgesagte leben länger

Die Schallplatte lebt (immer noch) und wird millionenfach gepresst. So ist auch der Plattenspieler noch lange kein Auslaufmodell der Technikgeschichte. Deshalb soll diesem hochkomplexen Gerät, ohne das jede Schallplatte wertlos ist, im Folgenden die volle Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Historische Wiedergabegeräte

In der Frühzeit der Schallaufzeichnung mussten mangels übereinstimmender Normen sowohl für Walzen als auch für Schallplatten die Abspielgeräte passend dazu geliefert werden. So lange es Schallplatten mit breiten Rillen in Tiefenschrift gab (System Pathé, Edison-Diamond-Disc) konnten diese nur auf speziellen Plattenspielern wiedergegeben werden. Grammophone nach der Seitenschrift-Bauart von Berliner zerstörten diese sofort, während die Abtaststifte für Tiefenschrift nicht in die feineren Rillen der Seitenschrift passten. Hilfe sollten auswechselbare Tondosen schaffen. Die unzuverlässige Handhabung der Wechseldosen, aber vor allem die Tonqualität der Seitenschrift mit größerer Dynamik und besserer Hochtonwiedergabe führten zum Aus der Tiefenschrift.