Antrieb des Plattentellers

Plattenspieler AntriebDie Reibradtechnik

Eine im HiFi-Bereich inzwischen kaum noch gebräuchliche Antriebstechnik übertrug auch bei älteren höherwertigen Plattenspielern, z.B. der renommierten Firma Thorens, die Kraft des Motors. Die verlängerte Motorwelle bewegte über ein Reibrad auf derartiger Unterseite den meist ziemlich schweren Plattenteller. Der Teller des Lenco L 75 wog 4 Kilogramm. Der Motor und das Reibrad waren elastisch gelagert, um Rumpelgeräusche und die Übertragung von Vibrationen gering zu halten, was nicht immer überzeugend gelang. Auch kleinere Beschädigungen oder Dellen des Reibradgummis übertrugen sich als Rumpelgeräusche auf den Teller. Ansonsten war die Konstruktion sehr robust, zuverläßig und langlebig. Sie hatte vor der Einführung des elektronisch gesteuerten Motors einen großen Vorteil. Man konnte, wegen der sich verjüngend abgedrehten Welle, die Umdrehungsgeschwindigkeit durch ein einfaches mechanisches Verschieben des Reibrades kontinuierlich verändern. Mittels einer aufliegenden Stroboskop-Scheibe bzw. durch ein festes Stroboskop am Tellerrand war die Geschwindigkeit kontrollierbar.

Der Riemenantrieb

Durch die mechanische Entkoppelung von Plattenteller und Motor und den Antrieb über einen Spezialriemen wurde die Übertragung von Motorgeräuschen und Vibrationen weitgehend ausgeschaltet. Bei entsprechender Aufhängung des Motors oder sogar dessen Separierung vom Chassis blieben nur noch die Abrollgeräusche des Riemens, die sich auf leichte Teller übertragen. Die Geräusche des Riemens konnten aber bei schweren Tellern praktisch vernachläßigt werden.
Der Riemenantrieb von einem separaten Motor ist heute das wesentliche Merkmal der meisten Spitzenplattenspieler. Vor der Einführung der elektronischen Regelung des Motors war allerdings der Wechsel der Umdrehungszahl noch problematisch. Mit dem Reibrad war es noch relativ einfach, die Geschwindigkeit aller im Umlauf befindlichen Schallplatten einzustellen, von Langsamläufern bis zur schnell rotierenden Schellack. Beim Riemenantrieb, der zwei fest definierte Durchmesser auf der Motorwelle benötigte, mussten sich die Konstrukteure auf die Standards der Single und der LP beschränken. Der Geschwindigkeitswechsel war auch nicht unproblematisch. Es konnte zu Riemenwürfen kommen, und jeder Wechsel beschleunigte die Abnutzung des Riemens bis hin zur Zerstörung.

Der Direktantrieb

Die modernste gängige Antriebsmethode ist der Direktantrieb, der inzwischen selbst in der gehobenen Mittelklasse verbreitet ist. Der feststehende Motor ist direkt mit der Teller-Achse verbunden. Bei einem berühmt gewordenen Plattenspieler von Technics ist sogar der Teller selbst Teil des Motors. Deshalb ist kein mechanisches Übertragungselement mehr nötig. Dank der elektronischen Steuerung ist der Direktantrieb einfach gestaltet. Er gestattet auch den Pitch, die stufenlose Geschwindigkeitsregelung per elektrischem Regler, die bei Djs sehr beliebt ist. Auf Grund der ausgereiften Technik fand der Direktantrieb bei sorgfältiger Verarbeitung auch schon Eingang bei High End Plattenspielern. In der Mittelklasse ist es seit seiner Einführung mehr eine Frage der Philosophie als der Messdaten, ob man den Direktantrieb oder die Riemen-Transmission bevorzugt.