Der Weg des Tonabnehmers zur Plattenrille

Plattenspieler TonarmDer unvermeidliche Tonarm

In einem durch die Tonarmlänge definierten Abstand zur Tellerachse sitzt gewöhnlich der Radialtonarm. Dieser Abstand ist typischerweise etwas länger als die Entfernung zwischen der Nadelspitze und der Vertikalachse des Armes. Die am weitesten verbreiteten Tonarmlängen betragen zwischen 9 Zoll und 12 Zoll. Eine regelrechte Normlänge gibt es nicht. Auf bzw. in dieser Achse sitzt bei guten Plattenspielern in einer Kardanischer Aufhängung die horizontale Achse für die vertikale Auslenkung des Tonarmes. Sie ist notwendig für das Auf- und Absetzen der Tonabnehmernadel, sowie für den Ausgleich von Unebenheiten (Verwellungen) einer Schallplatte.

Die Lagerung der Achsen erfolgt normalerweise in Feinkugellagern. Bei nicht kardanischer Aufhängung kamen auch Schneidelager für die horizontale Achse zum Einsatz, z.B. beim Lenco L 75. Auch sogenannte Einpunktlager sind vereinzelt im Einsatz. Sie verlangen aber eine äußerst präzise Ausbalancierung. Wichtig war und ist, eine möglichst geringe Reibung in den Lagern zu erhalten.

Die Kontrolle der Auflagekraft

Damit der Tonabnehmer richtig funktioniert, muss die Nadel mit einer vom Hersteller empfohlenen Kraft (Auflagedruck) in der Rille gehalten werden. Bei sehr einfachen Plattenspielern mit Kristalltonabnehmern wurde sie durch das Gewicht des Tonarms vorgegeben, bestenfalls durch eine verstellbare Feder kontrolliert. Mit der Verbesserung der Tonabnehmer war es notwendig geworden, das Eigengewicht von Tonarm und Tonabnehmer auszugleichen. Hinter dem Gelenk sitzt daher ein Gegengewicht. Durch Markierungen im Gelenkbereich, Einstellungen am Gegengewicht oder Verschiebung von kleinen Zusatzgewichten konnte die Auflagekraft nach den Gebrauchsanweisungen der Hersteller einigermaßen zuverlässig fixiert werden. Ein Tonarmwaage blieb jedoch bei sensiblen Tonabnehmern empfehlenswert.

Materialeinsatz

Bei den billigen Plattenspielern war der Tonarm einfach aus Kunststoff gepresst oder gegossen. Derartiges Material genügte bei hochwertigen Tonabnehmern nicht mehr. Heute kommen Aluminiumlegierungen und Komposit-Werkstoffe mit Karbonfasern zum Einsatz, denn Tonarme müssen einander widersprüchlichen Anforderungen gewachsen sein.

Ein guter Tonarm ist, wie bei einem Kameraobjektiv, das ausgleichende Ergebnis vieler Kompromisse. Ein hochwertiger Tonarm soll zugleich leicht aber stabil und (verwindungs-) steif aber resonanzarm sein. Dazu soll er noch über einen auswechselbaren Tonkopfträger mit einer sicheren Verbindung verfügen. Das Gegengewicht soll halbelastisch mit dem Ende des Tonarmes verbunden sein, um es vom Bereich der Eigenresonanz des Tonarmes abzukoppeln. Die Verdrahtung muss sich möglichst elektrisch neutral verhalten und gleichzeitig sehr fein sein, denn sie darf im Gelenk keine unkontrollierte Federwirkung zeigen. Wen wundert es da noch, dass absolute Spitzentonarme allein mehrere tausend Euro teuer werden können.